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Ja sind wir denn überhaupt noch ein Oldtimerverein ?

 

Diese Frage hören wir immer öfter auf unseren Ausfahrten und zwar immer dann, wenn es um die teilnehmenden Fahrzeuge geht. Denn diese Fahrzeuge werden immer jünger. Nun, dies liegt vielleicht auch daran, dass die Fahrer/innen immer älter werden.

Wie beschrieb es einmal ein freundlicher Hotelgast so treffend. Schön dass Sie im fortgeschrittenen Alter als Oldtimerverein diese Gegend besuchen. Und besonders schön, dass Sie dazu so schöne alte Fahrzeuge benutzen.      

 

Es stellt sich erst einmal die Frage, waren wir eigentlich jemals ein Oldtimerverein ?

Nein, waren wir nie, wir sind kein Oldtimerverein, denn Oldtimer müssen laut Definition ein Mindestalter von 30 Jahren haben. Und dies war nie ein Kriterium bei uns und soll nie eins sein. Einige unserer Mitglieder hätten wir sonst deswegen ablehnen müssen – unvorstellbar.

 

Schon im Namen steht klassische Automobile. Und ein klassisches Automobil ist nicht zwangsläufig vom Alter abhängig. Wie wird ein Fahrzeug zum Klassiker? Es muss einfach einige Eigenschaften erfüllen, eine Kombination aus Design, aus Technik, aus Seltenheit und aus Alter, eventuell sogar aus Skurrilität. Und nicht alle Kriterien müssen zwangsläufig vorhanden sein. Aber es sollte beim Besitzer Emotionen erzeugen. In meinen Augen ist ein neuer Jaguar XK oder F-Type, ein BMW Z 8 oder ein Porsche 911 ein Klassiker und ein 40 Jahre alter VW Golf keiner. Weil er bei mir keine Emotion erzeugt, der Golf war für mich immer in Blech gepresste Langeweile. Aber für denjenigen, bei dem der Golf Emotion erzeugt, ist er ein Klassiker. Das sollte man ohne wenn und aber akzeptieren, im Duden steht dies unter dem Begriff Toleranz. Also was ein Klassiker ist, entscheidet jeder für sich alleine und sollte deshalb von Niemanden gerügt werden, natürlich gibt es Fahrzeuge die von der Mehrheit als Klassiker eingestuft werden und Fahrzeuge, die nur bei einer Minderheit Emotionen erzeugen.  In diesem Zusammenhang, hat schon irgendwer einen Honda Quintett als Klassiker bezeichnet ? Der wäre jetzt auch schon im Oldtimeralter, aber es fehlt einfach jegliche Emotionsbasis. Wir hatten mal Einen, für mich in Blech gepresstes Koma.

Fazit: Klassiker unterliegen persönlichen Einschätzungen und sind nicht allgemein zu klassifizieren und schon gar nicht altersabhängig. Punkt!

 

In den 25 Jahren des Bestehens des FkA hat sich allerdings vieles grundlegend verändert. Die Fahrzeuge aus dem Gründungsjahr sind nämlich fast schon anerkannte Oldtimer. Und viele Fahrzeuge, die damals bei uns mitfuhren, waren damals nicht älter als die heutigen so angeschwärzten Fahrzeuge. Ein E-Type Serie 3 oder ein Triumph TR 6 waren damals gerade mal 15 Jahre alt, die meisten jetzt teilnehmenden Porsche 911 sind wesentlich älter und die oft verspotteten Nissan Figaro sind schon 23 Jahre alt. Jetzt fuhr ein Team im SLK beim Gipfeltreffen mit und der ist exakt genauso alt wie damals E-Type und TR 6. Und damals gab es nie Aussagen wie Gebrauchtwagenschau oder japanischem Gutbrod-Verschnitt als
camouflierter Oldtimer-Ersatz. Entspannung ist angesagt, es hat sich gar nicht so viel verändert, nur wir und alle Fahrzeuge sind älter geworden. Im Alter sollte Toleranz und Weisheit wachsen, nicht der Starrsinn. Wer oder was ein Klassiker ist, sollte man vor allem den Besitzern überlassen und notfalls selbst den ungeliebten Anblick tolerieren.

 

Aber es hat sich auch bei unseren Ausfahrten grundlegend etwas verändert. Früher haben wir als FkA an vielen Oldtimer-Rallyes teilgenommen, auch bei vielen Vorkriegs-Rallyes mit klingenden Namen wie Hessen-Nassau-Marathon, Gordon-Bennet-Cup, Klausen Memorial, Paris-Deauville und Transappeninnica. Oder im Nachkriegsbereich Rallyes wie Bavaria, Württemberger, BMW-Euro Meran, Regensburger Oldtimertage, König Ludwig Fahrt und Kneissl-Classics. Die Meisten existieren noch, aber wir nehmen nur noch an Wenigen teil. Warum ?

Wir leiden an einer schweren Mangelerscheinung in Sachen Ehrgeiz. Wir haben keine Lust mehr auf Competition, also mit Stoppuhren und Laptops zu hantieren und Zehntelsekunden genau über einen Schlauch zu fahren. Noch weniger wollen wir irgendwelche Zahlen in Bäumen suchen oder den Geburtstag irgendeines Bürgermeisters erforschen. Und wir sind schon mehrfach zwischen irgendwelchen Pylonen rumgefahren und wissen mittlerweile den Durchmesser aller unserer Lenkräder. Und ich habe mir fest vorgenommen, nie mehr in meinem Leben einen trockenen Teebeutel zu werfen oder einen Eutersimulator zu melken, auch wenn es dafür Punkte gibt. Für den, der es mag, ist es sicherlich das Höchste. Für uns nicht mehr……..

Der nächste Punkt ist die Teilnehmerzahl. Gute Veranstaltungen sind beliebt und meist voll gebucht. Und bei 100 Teams ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, ein kuscheliges Hotel zu haben oder ein feines Abendessen. Es gab und gibt es, aber vergleichsweise selten. Und interessante Veranstaltungen haben mittlerweile bis zu 200 Teams am Start – einfach zu viel.

 

Als wir zu den Veranstaltungen als FkA fuhren, saßen wir meistens zusammen an einem Tisch, fuhren gemeinsam die Strecke und beantworteten die Fragebögen gemeinsam.

Irgendwann stellte sich die Frage von selbst, wenn wir sowieso den meisten Spaß gemeinsam  haben und das Drumherum gar nicht so wichtig ist, warum organisieren wir die Fahrten nicht selber, suchen selbst kuschelige Hotels mit feinem Abendessen. Die Antwort kennen Alle, die an unseren Fahrten teilgenommen haben.

Allerdings ging ein Aspekt der Veranstaltungen dabei komplett verloren - die Selbstdarstellung. Und je besser die Veranstaltung war, desto mehr hochkarätige Oldtimer nahmen daran teil. Schlecht fürs Ego, denn ohne entsprechendem Luxusoldie wurde man nicht zugelassen. Ergo wurde mächtig aufgerüstet, es machte unverholen auch Spaß bewundert zu werden. Aber wenn es keine Plattform mehr für eine Selbstdarstellung gibt, warum soll man denn mit seinen Chromjuwelen zu unseren Ausfahrten kommen? Da nimmt man lieber was Günstigeres oder gleich die Alltagskiste – man wird ja deshalb nicht abgewiesen. Bei anderen Veranstaltern erlaubt man es sich allerdings nicht – man beweist allerdings auch sehr deutlich damit, welchen Stellenwert man dem FkA gibt. Damit erklärt sich auch die Tatsache, dass bei den FkA-Ausfahrten das Starterfeld teilweise …… na, lassen wir dass, bringt ja doch nichts. Punkt!

 

Eine Aspekt für neuere Klassiker ist sicherlich auch die Entfernung. Im Lauf der Zeit haben wir die Furcht vor langen Strecken verloren und sehr weit entfernte Ziele angesteuert. Diese Ziele sind sicherlich nicht mit schwierig zu fahrenden oder leistungsschwachen Oldtimer zu bewältigen. Deshalb geht der Trend bei Teilnehmern der Club-Fahrten nach wie vor zu Klassikern, die diese Vorgaben am besten erfüllen sprich, einfach und entspannt zu fahren sind. Die Alternative wäre es, An- und Abfahrt in mehrere Etappen zu bewältigen, was aber dann wieder auf Kosten der Zeit am Zielort geht. Dann lieber eine lange Fahrt auf der Autobahn und dafür mehr Fahrten und Besichtigungen am Ziel.

 

Ich möchte auch einen Aspekt nennen, der gar nicht so gerne in der Oldtimerszene besprochen wird, die Sicherheit.

Bei vorausschauender Fahrweise und einem gut gewarteten Klassiker ist es kein Problem, im heutigen Verkehr mitzuschwimmen. Mit einer Ausnahme - der Autobahn. Hier ist ein Klassiker in allen Geschwindigkeitsbereichen einfach veraltet. Unsere Bremsen, selbst die meisten Scheibenbremsen sind bei einer Vollbremsung einem modernen Fahrzeug hilflos unterlegen. Aus 100 Km/h steht ein modernes Auto heute etwa bei maximal 40 Meter. Ein Klassiker mit 4 Trommelbremsen etwa nach 80 Meter und dabei ohne Lenkmöglichkeit – und das ganz ohne Knautschzone. Und wenn wie üblich der Sicherheitsabstand eines vorausschauenden Klassikerfahrers genutzt wird, um das beliebte Lückenhüpfen zu praktizieren…… also Klassiker auf der Autobahn sind gefährdet. Man könnte ja langsamer fahren, gäbe es da nicht die LKWs. Denn so ein 40 Tonner fährt gerne etwas flotter als die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit und wenn Etwas vor ihm langsamer fährt, dann hängt der Koloss hupend direkt im Genick. Hier wendet sich die Bremsleistung zwar zugunsten des Klassikers, aber auch kein netter Gedanke. Selbst die Tatsache, dass die meisten Steinschläge auf Autobahnen passieren, ist nicht unbedingt prickelnd. Immerhin schaut ein wesentlicher Teil meines Schädels über die Windschutzscheibe drüber – vielleicht hat Carglass für Löcher in dem Bereich auch eine patentierte Lösung. Ich will hier nicht Schwarzmalen, sondern nur das Bewusstsein wecken. Deshalb so wenig Autobahn wie möglich, und wenn dann mit einem möglichst sicheren Klassiker. Wenn wir weit entfernte Ziele anpeilen, dann müssen wir Autobahnen und Schnellstrassen nutzen und deshalb sollten wir dann auch Klassiker benützen, die für diese Art der Strasse geeignet sind, und die sind meistens auch moderner. Wer dies nicht nachvollziehen und akzeptieren kann, ist einfach ignorant. Punkt!

 

Aber es hat nicht nur mit Autobahnen zu tun. Auch die Witterung ist ein wichtiger Aspekt. Nur zwei unserer Klassiker besitzen eine Heizung und haben Seitenscheiben. Wenn wir nicht in diesen Fahrzeugen unterwegs sind und es regnet oder es ist kalt, dann hört der Spaß auf. Und zwar ziemlich schnell. Es ist schon zu oft vorgekommen, dass wir nach einem kleinen Wetterumschwung beide nach der Heimfahrt mit einer Erkältung im Bett lagen. Da bin ich lieber ein Weichei und mache die Heizung an. Klar, vor 20 Jahren trotzten wir im Riley ohne Frontscheibe und Unterboden auch der Witterung und haben es überlebt. Ich möchte es aber jetzt nicht ausprobieren, ob wir es 20 Jahre später auch noch überleben würden – wie gesagt, Mangel an Ehrgeiz. Lustig finde ich es aber, dass gerade Fahrer gut geheizter Limousinen und Coupés uns immer wieder auffordern, doch die schönen offenen Klassiker zu fahren. Irgendwann werden wir sie mal auf offener Strecke bei Regen und Kälte zum Fahrzeugwechsel bitten.

Ich liebe es, den MG TD, den Alvis und den Lagonda zu fahren – es sind tolle Klassiker. Aber nur zu Ausfahrten, wo Strecke, Witterung und Kilometerzahl passen. Wenn nicht, dann werde ich einen unserer Klassiker nehmen, die Seitenscheiben und Heizung haben. Wer damit nicht zurecht kommt, hat ein Problem – und zwar nur er. Punkt!

 

Wir betreiben unser gemeinsames Hobby aus Spaß. Und Alle, die an unseren Ausfahrten teilnehmen, sollen daran auch Spaß haben. Dies ist der Grund, warum wir diese Fahrten organisieren und uns viel Mühe geben. Und da ist es mir wirklich wichtiger, dass ein Teilnehmer in einem modernen Klassiker bei der Fahrt Spaß hat als dass er gestresst und erschöpft aus einem zwar anerkannten aber anstrengend zu fahrenden und für die Strecke ungeeigneten Oldtimer fällt. Ich messe das Gelingen einer Ausfahrt nicht am Wert der Klassiker, sondern am Spaßfaktor der Gruppe. Punkt!

 

Aber bei allem Ernst denke ich ja auch schon an unsere zukünftigen Ausfahrten. Mir fiel in ebay ein Angebot eines tollen Klassikers auf, zweiter Hand und Scheckheftgepflegt. In drei Jahren hätte er den Oldtimerstatus und für alle Fälle auch eine Toilette an Bord. Wir müssten nur noch ausflascheln, wer den Setra S 515 HD den Stoderzinken rauftreibt oder in England die kleinen feinen Hedges-Straßen durchpflügt…..    

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Freundeskreis klassischer Automobile
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