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Ein Plädoyer fürs Cabriofahren

 

Ein Cabrio muss sich nicht nach dem Wetter richten. Echte Cabriomenschen auch nicht. Aber beide lassen sich gerne von Frühlingsgefühlen begeistern. Die Zeit durchgehender Öffnungszeiten hat wieder begonnen.

 

Reine Autofahrer werden uns Cabriomenschen nur mit Mühe verstehen. Autofahrer haben immer ein Ziel, einen Zweck. Müssen sie auch haben. Wer sich aber einfach nur an die frische Luft setzt, dem reicht als Richtung schon das Losfahren. Starten und schauen, wo die Welt aufhört – und der Horizont beginnt. Träumer, sagen die Leute. Durchaus. Aber trotzdem unschuldig im Sinne der Anklage. Den Himmel als Straße zu begreifen, das ist als Kompliment zu betrachten. Jedenfalls für Menschen, die näher dran sein möchten an Raum und Zeit. Der Cabriofahrer ist nichts anderes als ein befreiter Autofahrer. Offen für alles.

Das Erweitern des eigenen Horizonts mit der simplen Öffnung, das für viele etwas selbstverständlich Alltägliches ist, besitzt für den Cabriomenschen eine ganz eigene Magie, immer wieder aufs Neue. Für ihn eröffnen sich damit ganz andere Perspektiven. Wir sprechen nicht einfach nur vom Offenfahren, es geht um Überzeugungen. Unbedachte Momente sind keine Fluchten. Frühlingsgefühle automobiler Art. Man muss sie suchen, finden, leben. Und fahren natürlich. Wer den leichten Schnupfen als ständigen Begleiter wählt, ist nicht etwa auf Koks, sondern auf Cabrio. Wetterfühlig im positiven Sinn. Eindeutig belegt ist, das ein sich öffnendes Dach als völlig legaler Stimmungsaufheller funktioniert. Gut, das Versprechen von Luft und Liebe lässt sich beim besten Willen nicht immer gleich erfüllen, nur weil die Seitenscheiben mit dem Faltdach verschwunden sind. Dafür sind Panorama-Sicht und Rund-um-Gefühl garantiert. Das Cabriolet als Insel, vom restlichen Verkehr umtost. Alle anderen, die Autofahrer, sind für uns Insassen.

 

Das mag ein sehr selbstbewusster Ansatz sein. Nun, so sieht es eben aus, wenn man ganz befreit ist und die Natur als großer Gefühlsverstärker für das Cabrio wirkt. Auch die Farben sind echter, Geräusche und Gerüche intensiver. Mütze, Kragen, Schal und Sonnenbrille gelten als Uniform für Freiheitskämpfer. Natürlich befriedigt ein Cabriolet, wie jedes andere schöne Auto auch, die Eitelkeiten. Oben ohne zieht eben immer Blicke auf sich.

 

Vielleicht pflegen Cabriomenschen deshalb eine so innige Beziehung zum Verdeckmechanismus, weil das Verschwinden des Cabriodachs, diese plötzliche Weite, auf neue Abenteuer hoffen lässt. Vom Prinzip her greift die Technik sehr wohl vom Cabriolet über auf den Menschen. Es ist die Bedienungsanleitung für diesem Typ Frei-Fahrer: Öffne Dich ! Das Verfolgen von Träumen, im Unterbewusstsein jedes Automobilisten asphaltiert, diesmal mit Straßenzulassung Losfahren, loslassen, rauslassen. Sogar geschichtlich lässt sich das gute Gewissen belegen: Am Anfang stand das offene Auto.

 

Vorkenntnisse als Wolkengucker sind erwünscht. Wenn wir heute im offenen Wagen die Augen ausführen, dann können wir gucken und folgen. Verfolgen, wenn wir wollen. Jagd machen auf Cirrus, Cumulus, Stratus. Am Boden bleiben und trotzdem das Gefühl haben, an den Wolken zu kratzen. Von einem Logenplatz aus. Und dabei selbst ein Teil des Schattenspiels sein. Schöne Aussichten, schöne Ansichten. Offenheit entsteht zuerst im Auge des Betrachters. Offen fahren ist eine ganz persönliche Unabhängigkeitserklärung. Der schweifende Geist im Sportwagen, ein Frei-Geist. Genau darum geht es, wenn es ums Cabriolet geht: Frei bekommen. Vor allem den Kopf. Im Raster des modernen Zeitmanagements müsste die offene Fahrtstrecke unter der Rubrik Quality Time erfasst werden. Die Qualität besteht nicht nur darin, dass man Zeit für sich selber und seinen sich öffnenden Gedanken verbringen kann. Es ist das intensive Erlebnis, das bei der Fahrt im Cabrio hinzukommt. Intensität, die wir abgeklärten Alltagsfahrer erst wieder zulassen müssen.

 

Das ist der persönliche Sehnsuchtsfaktor, eine klare Bewusstseinserweiterung. Und das kann nicht nur mit der frischen Luft allein zu tun haben. Der ganze Cabriomensch wechselt in den Cruising-Modus. Allein sich darauf einzustellen, es sich vorzustellen, ist schon ein Ausbruch, zumindest ein Aufbruch. Alle Road-Movies beginnen im Kopf. Der Entschluss ist manchmal eine Sache des Augenblicks.

 

 

Text: Elmar Brümmer, geändert von Florian Georgii

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