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Volkskrankheit Blinkversagen

 

Ich setzte einmal voraus, dass alle Leser wissen, was ein Blinker oder im Amtshochdeutsch ein Fahrtrichtungsanzeiger ist. Na gut, dann erkläre ich es eben……

Ganz früher besaßen die Fahrzeuge lebende Antriebsquellen, also Pferde, Ochsen oder Sklaven. Diese Antriebsquellen hatten den Vorteil, Sehorgane und Instinkt zu besitzen. Dementsprechend knallte ein solches Gefährt selten ungebremst in ein Anderes, auch wenn der Chauffeur ein Schläfchen hielt. Meistens sah oder spürte eines der Antriebsquellen die Gefahr und bremste rechtzeitig ab. Da alle Fahrzeuge die gleiche Geschwindigkeit hatten, waren Überholvorgänge selten und mit geringer Überschussgeschwindigkeit. Also bemerkte man das Abbiegen eines voraus schleichenden Gefährts frühzeitig an der Richtungsänderung des Teils und stellte sich darauf ein.     

Mit der Erfindung des Motors als Antrieb verloren die Gefährte die Sehfähigkeit, ergo musste der Chauffeur die Aufsicht übernehmen. Damit begannen die Probleme. Denn zum Einen waren die Fahrzeuge schneller als diejenigen mit lebendem Antrieb, und zum anderen hatte der Chauffeur alle Hände voll zu tun, um das Gefährt zu bedienen. Solange es gerade aus ging war alles noch in Ordnung, aber Kurven und Kreuzungen waren ein Problem. Zwar traf man in der Frühzeit recht selten ein anderes Automobil, aber wenn dann meist voll in der Breitseite.

Wenn zwei Alfa-Männchen – und nur die fuhren Automobile – gleichzeitig eine Kreuzung oder Abbiegung erreichten, dann gab niemand nach. Sieger wurde der Stärkere oder der Glücklichere. Um diesen chaotischen Zustand zu beenden, entwarfen kluge Köpfe ein Regelwerk. Rechts vor Links zum Beispiel, eine noch heute geltende Regel. Wirklich, auch wenn niemand diese Regel kennt, so gilt sie immer noch. An einer unbeschilderten Kreuzung oder Einmündung hat das von Rechts kommende Fahrzeug Vorfahrt. Sogar Fahrräder galten damals als Fahrzeug – was sagst du, das gilt eigentlich heute auch noch, komische Welt.

Probleme hatte nur, wer nicht wusste, wo Rechts ist. Und das waren Viele. Also suchte man nach einer Lösung und erfand Ampeln und besagten Fahrtrichtungsanzeiger. Damit konnte der Chauffeur frühzeitig anzeigen, dass er die Fahrtrichtung zu ändern trachtete und überraschte somit niemanden mehr und verhinderte damit Unfälle. Das ging etwa 80 Jahre lang problemlos so. Dann stockte es. Forscher sind sich da nicht einig, man vermutet entweder einen globalen Gendefekt oder die Überlagerung des Blinkimpulses durch die Bedienungsanleitungen der Mobiltelefone. Oder die Verödung durch die Strahlung derselben.

Mitte der 90er Jahre tauchte es erstmalig in großen Metropolen auf, zuerst waren Taxifahrer davon betroffen. Es gelang ihnen einfach nicht mehr, den Blinkerhebel zu betätigen, die Medizin sprach von Blinkversagen. Trotz erhöhtem Unfallrisiko und hupendem Verkehr bogen sie ohne Betätigung des Fahrtrichtungsanzeigers ab. Gleich danach erwischte es Kurierfahrer und Busfahrer, also gerade Berufschauffeure, die viel unterwegs waren und deshalb das Risiko des Blinkversagens kennen mussten. Japanische Forscher fanden durch Langzeitstudien heraus, dass gerade Personen mit Blinkversagen sich maßlos über die Verkehrsteilnehmer ärgerten, die das gleiche Verhalten zeigten. Da die Probanden aber ihr Blinkversagen nicht zur Kenntnis nahmen oder sogar nihilierten, wird es als Suchtkrankheit eingestuft. Blinkversagen griff um sich. Dabei tauchten mehrere Phänomene auf, Fahrer von Oberklassefahrzeugen litten mehr unter Blinkversagen als Fahrer von Kleinwagen. Ältere weibliche Fahrerinnen hatten weniger Blinkversagen als männliche Führerscheinneulinge. Und Blinkversagen stieg proportional mit der PS-Zahl an.

Weitere Studien grenzten das Phänomen weiter ein. Blinkversagen tritt nicht schlagartig auf. Vielmehr ist es ein schleichender Vorgang. Der Gebrauch des Fahrtrichtungsanzeigers wird zu Beginn nur verzögert. Das sind jene Verkehrsteilnehmer, bei denen der Fahrtrichtungsanzeiger dann betätigt wird, wenn der Spurwechsel oder der Abbiegevorgang schon eingeleitet oder vollzogen wurde. Man spricht hier von schleichendem oder posterrektivem Blinkversagen. Ob diese Fälle zum totalen Blinkversagen führen und wie lange dies andauert, wird gerade erforscht.

Aber es zeigte sich, dass auch äußere Einflüsse Blinkversagen hervorrufen kann. Durch Einführung des Kreisverkehrs anstatt Kreuzungen stieg die Anzahl von Blinkversagen schlagartig um ein mehrfaches an.

Das Regelwerk ist dabei relativ einfach, beim Einfahren in den Kreisverkehr darf man den Fahrtrichtungsanzeiger nicht betätigen, beim Verlassen des Kreisverkehres ist das Betätigen des Fahrtrichtungsanzeigers dagegen Pflicht. Aber eine ganze Generation, die DVD-Recorder bedienen kann und sich im Dschungel der Mobiltelefontarife auskennt, begreift diese einfache Regelung nicht. Und wen einmal Blinkversagen befällt, der hat es ein Leben lang.

Der Automobilindustrie ist das Phänomen nicht verborgen geblieben, nach dem Bremsassistenten, dem Spurassistenten und dem Toterwinkelassistenten arbeitet man hart am Blinkassistenten. Frühe mechanische Entwicklungen, die sich an der Lenkradbewegung oder dem Einschlag der Vorderräder orientierten, wurden verworfen. Passfahrten mit den Prototypen führten zu Fehlinterpretationen und Unfällen. Momentan arbeitet man mit komplexen Systemen, die sich an dem Lenkeinschlag in Verbindung mit der Kopfdrehung und der gespeicherten Vorliebe für Wegstrecken orientieren. Andere Systeme wollen sich an das Navigationssystem andocken, wenn dort Ziele eingegeben sind.

Bei Europaweiten Studien ergab sich ein erstaunliches Phänomen. Es gibt kleine Enklaven, in denen Blinkversagen nicht auftaucht. In einem Seitental der Dolomiten lebt ein Bergvolk, bei dem kein einziger Fall von Blinkversagen bekannt ist. Erste Untersuchungen brachten folgende erstaunliche Resultate: der dort ansässige Fahrlehrer ist fast 75 Jahre alt und hat sein Tal zuletzt 1987 verlassen. Seine Schüler beschrieben ihn als durchaus gewalttätig, da er sie bei Fahrfehler und Unachtsamkeiten schlug oder beschimpfte. Und er ließ sie nur zur Fahrprüfung zu, wenn sie nach seiner Meinung das Fahrzeug beherrschten. Auf Nachfrage gab er zu, die Benutzung des Fahrtrichtungsanzeigers als grundlegende Voraussetzung zur Erlangung eines Führerscheines zu halten. Vom Phänomen des Blinkversagens hatte er noch nie etwas gehört, seiner Meinung nach waren die Betroffenen einfach ‚zu blöd zum Fahren’.

Auch der ADAC befasste sich mit Blinkversagen, uns liegt ein internes Papier vor, aus dem folgende Erkenntnisse stammen. Blinkversagen soll unbedingt in der Öffentlichkeit verschwiegen werden, da die Gefahr von Trittbrettfahrer und Nachahmer besteht. Damit ist eine nicht vertretbare Steigerung des Unfallrisikos zu befürchten. Eine Umfrage bei den Mitgliedern ergab folgendes erschreckendes Bild. 82% der Befragten würden sich zu den 15% sehr guten Autofahrern in Deutschland einordnen, 12% zu den guten und 6% enthielten sich der Stimme. Von den 82% waren 26% praktizierende Blinkversager, weitere 18% nur teilweise praktizierend (im Ausland oder bei Leihwägen). 7% wussten gar nicht, dass es Blinker gibt und 4% hielten an der Behauptung fest, das Blinker bei Fahrzeugen zur Sonderausstattung gehören und deshalb nicht von ihnen bestellt wurden. Die Studie wurde nie veröffentlicht.

Wie soll man sich also im heutigen Verkehr verhalten ? Sollte man, um nicht aufzufallen und jüngere Fahrer nicht zu verunsichern, Blinkversagen vortäuschen? Sollte man blinkende Verkehrsteilnehmer auf ihr Verhalten aufmerksam machen und sie maßregeln ?

Nicht umsonst nennen wir unsere Fortbewegung Individualverkehr. Also ruhig blinken, wenn man abbiegt oder die Spur wechselt. Sogar frühzeitig, wenn einem danach ist. Und im Kreisverkehr kann man sich auch an die Regel halten, der einfahrende Verkehr könnte davon profitieren. Und wie verhält man sich gegenüber Fahrern mit Blinkversagen ? Nicht anhupen oder beschimpfen, der Fahrer ist hochgradig überfordert und versteht den Anlass nicht. Und wenn Sie einmal mit einem Fahrer mit Blinkversagen sprechen, dann reden sie langsam und deutlich, vermeiden sie Fremdwörter und machen sie nach jedem Satz eine kleine Verstehenspause. Und versuchen Sie ihn nicht, direkt auf sein Blinkversagen anzusprechen, es ist wie Impotenz oder Frigidität ein Tabuthema. Zeigen Sie ihm ohne Besserwisserei den Blinkerhebel an seinem Fahrzeug, nehmen Sie ihm die Scheu davor indem Sie kurz den Blinker betätigen und fordern Sie ihn zum Nachahmen auf. Vielleicht spricht es seinen Spieltrieb an und er kann sein Blinkversagen selbst therapieren.

 

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Freundeskreis klassischer Automobile
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